Trauma und Resilienz

Wieviel Krise halten Sie aus?

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Resilienz heißt: Welche innere Stärke hat ein Mensch, Konflikte und Lebenskrisen zu meistern?

„In der Auseinandersetzung mit unseren Traumen kommen ja Schmerz, Überwältigung und Ängste an die Oberfläche, die uns so bedrohen, dass wir sie alleine nicht zulassen können.“ Ein traumatisierter Mensch braucht anfangs ein erfahrenes Gegenüber, das den Container halten kann und ihn empathisch spiegelt. Sonst kann es sehr leicht passieren, dass er tiefer ins Trauma hineinkollabiert. “

Selbstheilung gelingt nur Menschen, die über entsprechende innere Ressourcen und einen stabilen „inneren Boden“ verfügen. (= Resilienz)
Das ist aber bei traumatisierten Menschen keineswegs die Regel. (HM)

Lebenskrisen und ihre Folgen

Es gibt kein Leben ohne Krisen, ohne Verluste, ohne Krankheiten oder Alterserscheinungen ausgeliefert zu sein. Entscheidend ist aber, wie wir innerlich, sprich in unserem Geiste, damit umgehen. Dies betrifft in besonderem Maße den Umgang mit einem seelischen Trauma, also einem psychischen Erlebnis, das uns aus der Bahn wirft, im Extremfall bis zur Arbeitsunfähigkeit oder gar bis zur Unmöglichkeit, unseren Alltag zu Hause alleine zu bewältigen.

Da unser menschliches Wesen im Laufe der Evolution darauf optimiert wurde, zu überleben, egal wie, setzen dann ’sinnvolle‘ psychische Mechanismen ein, wenn der plötzliche Seelen-Schmerz unerträglich groß wird. Nach einer anfänglichen Schockstarre mit totaler Verleugnung („Das kann und darf nicht sein!“) folgt die Verdrängung in den körperlichen, sog. psychosomatischen, Schmerz. Anhaltende Muskelverspannungen – ohne offensichtliche Ursachen wie Schwerarbeit – bis zum Bandscheibenvorfall sind die Folgen. Verdrängung heißt gerade, dass wir uns der psychischen Ursachen unserer körperlichen Beschwerden nicht bewusst sind. Daher sind auch alle Massagen oder kranken- gymnastischen Übungen nur eine kurzzeitige Symptomlinderung.

Je nach Thema – wir haben dies als sog. ‚Organsprache‘ kennengelernt – wandert diese Verdrängung nach innen und macht verschiedenste Organbeschwerden: Herzeleid bei Familienkonflikten, Luftnot (Asthma) bei Freiheitseinschränkung, Magengeschwüre bei Frustrationen, Leber-Galle-Symptome bei runtergeschluckter Wut, Darmprobleme (Schiss oder Verstopfung) bei Angst, Nieren-Blase-Infekte bei Beziehungsstörungen oder Erkrankungen der Geschlechtsorgane bei Revierkonflikten.

Retraumatisierungen

Das ‚Zupflastern‘ der Wunden kann bei einem jungen Körper mit viel Reserven für viele Jahre bis Jahrzehnte funktionieren, um den Überlebenskampf (Existenzsicherung, Familiengründung, Häusle bauen, Rente garantieren) zu gewährleisten. Wehe aber, wenn eine Verschnaufpause im Leben kommt, dann meldet sich bei kleinen, anscheinend harmlosen Ereignissen (sog. Retraumatisierungen) unsere Psyche aus dem Untergrund (Unbewussten) und fordert Beachtung. Angst- oder Zwangsstörungen treten auf bis hin zu Burnout und schweren Depressionen. Nichts geht mehr.

Meist ist einem selbst gar nicht bewusst, dass es sich um eine längst fällige Reaktivierung alter Wunden (z. B. Verlust, Missbrauch, Abtreibung, Schock, schwere Enttäuschung) handeln könnte. Dies ist doch alles schon so lange her. Folgt hingegen diese Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS, post = nach) direkt auf ein Kriegs- oder Fluchterlebnis – was ja bei zigtausenden Flüchtlingen oder Soldaten im Auslandseinsatz aktueller denn je ist -, dann sind die Zusammenhänge offensichtlich. Dies heißt aber noch lange nicht, dass der Betroffene auch bereit ist, sich einer Therapie zu öffnen, wie viele leidgeprüfte Angehörige bestätigen können.

Ist jemand akut zusammengebrochen oder nach langem inneren Kampf endlich bereit, sich helfen zu lassen, dann versagt unser Gesundheitssystem mit seinen ambulanten (über 6 Monate) und stationären (9 bis 12 Monate) Wartezeiten auf einen Therapieplatz.

Hier nun biete ich heilsame Strategien an, um sich selbst – am besten in Begleitung eines Freundes oder Verwandten – zu stabilisieren. Ohne professionelle Führung eines ausgebildeten Traumatherapeuten ist es aber nicht sinnvoll, sich ständig und absichtlich das traumatische Erlebnis in Erinnerung zu holen. Durch selbst provozierte häufige Retraumatisierungen (Wiederdurchleben des Traumas) ohne fachliche Stabilisierung und heilsame Bewusstmachung wird das seelische Leiden oft immer schlimmer bis hin zu Panikreaktionen, bei denen man die Kontrolle über sich selbst verliert und immer wieder in sein Trauma hinein kollabiert.

Flashbacks

Das Leben liefert genügend Anlässe für sog. Flashbacks (blitzartig ein- schießende Rückerinnerungen), sei es eine ähnliche Nachricht im Fernsehen, ein harmloser Kinofilm oder gar ein plötzlicher Todesfall im Freundes- oder Verwandtenkreis. Sie kommen immer aus ‚heiterem Himmel‘.

Wohl dem, der darauf vorbereitet ist, und der wirksame Strategien, wie z. B. die Geh-Meditation, bereits eingeübt hat (mindestens 21mal). Ebenso wohl dem, der tragende Beziehungen oder Freundschaften gepflegt hat, die auch zur Unzeit (z. B. nachts) einem (wenigstens telefonisch) Unterstützung und eine ‚Notversorgung‘ bieten können. Früher waren dies in der Großfamilie die Großeltern, Tanten und Onkeln oder ein Vertrauenslehrer oder Pfarrer. In den auseinanderbrechenden Patchwork-Familien ist durch den gegenseitigen Vertrauensverlust hier ein Vakuum entstanden, was durch Therapeuten nicht gefüllt werden kann. Es folgt eine Flucht in alle möglichen Arten von Sucht.

Das Zauberwort heißt hier Resilienz, also eine innere Stärke zu entwickeln, Konflikte und Lebenskrisen meistern zu können. Dazu gehört auch, seine eigene Situation richtig einschätzen zu können und sich die notwendigen Hilfen zu holen, wenn man sie damit leichter und besser bewältigen kann.